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Geschichte der Capoeira
Im 16. Jh. begann die Verschleppung westafrikanischer (Angola) Sklaven in die portugiesische Kolonie Brasilien. Sie wurden als Arbeitskräfte für die harte Arbeit auf den Baumwoll-, Taback- und Zuckerrohrplantagen benötigt. Die Afrikaner versuchten verzweifelt Widerstand zu leisten. Bereits bei der Überfahrt auf den Galeeren kam es zu Unruhen und Selbstmorden. Das Menschen unterschiedlichster Herkunft, Sprache, Kultur und Traditionen in den Schiffsbäuchen zusammengepfercht hausten, erschwete die Kommunikation untereinander und damit ein gemeinsames Aufbäumen. In Brasilien lebten die Sklaven auf den Plantagen, den sog. „Senzalas“. Neben dem Suizid war die Flucht die einzige Chance der Leibeigenschaft zu entkommen. Wem die Flucht gelang, der schloß sich den „Quilombos“. Der Begriff Quilombo kommt vermutlich aus dem Quimbundo des angolanischen Sprachraums und beschreibt eine Ansammlung von Hütten. Häufig wurde auch die Bezeichnung mocambo, Strohdachhaus, benutzt.
Der Quilombo dos Palmares
Im 17. Jh entstand in den nördlichen Gebirgsregionen von Alagoas und im Süden Pernambucos eine neue Gesellschaft, ein Staat im Staat, mit eigenständiger Wirtschaft, Sprache, Religion und Familienstruktur, die wegen ihrer Größe und ihrem langen zähen Kampf um Freuheit in die brasilianische Geschichte eingegangen ist. Ihr letzter Anführer, Zumbi, ist zum wichtigsten Helden der brasilianischen Schwarzenbewegung geworden.
Der Quilombo dos Palmares widerstand ein Jahrhundert lang unaufhörlichen Zerstörungsversuchen der portugiesischen und holländischen Kolonialmacht. Entflohene schwarze Sklaven, Indigenas, Weiße und Mulatten lebten unter der Führung ihres Königs Ganga-Zumba („Goßer Chef“). In ihrem Überlebenskampf entwickelten sie Widerstandsstrategien und die Kampfkunst Capoeira, mit der sich die Republik bis zum Schluss waffenlos verteidigte.
Um 1650 hatte Palmares mehr als 50.000 auf verschiedene Siedlungen verteilt lebende freie Einwohner.
Zumbi, der 1655 in Palmares geboren war, wurde als Baby entführt und nach Recife gebracht. Dort wuchs er bei einem Pater auf, der ihn Francisco nannte und ihm Unterricht in Portugiesisch, Latein und Religion gab. Im Alter von 15 Jahren galng Francisco die Flucht nach Palmares. Seit dem nannte er sich Zumbi.
Mit Beginn des portugiesisch-holländischen Krieges an der Nordostküste Brasiliens ab 1624 gelang immer mehr Sklaven die Flucht. Die Fluchtburgen im Hinterland Recifes wurden immer größer und zahlreicher.
Während besonders der Nordosten Brasiliens unter den Auswirkungen des Krieges litt, genoss Palmares seinen zunehmenden Wohlstand. Mais, Bohnen, Maniok, Zuckerrohr, Kartoffeln und Bananen wurden angebaut. Das Land gehörte allen und wurde von allen bestellt.
Dom Pedro Almeida, Entsannter Portugals, lenkte bei den Kämpfen gegen die Quilombos 1678 auf den Verhandlungsweg ein. Wer in Palmares geboren war, sollten in einem zugeteilten Gebiet, Cucaú, in Frieden leben und Ackerbau und Handel betreiben können. Ganga-Zumba unterzeichnete den vorgelegten Vertrag, womit er gleichzeitig die Zweiteilung der Palmarinos besiegelte. Denn nur ein Teil zog mit mit ihm in das im Vertrag vorgesehene Gebiet. Die Zurückgebliebenen sammelten sich um einen neuen Anführer, Zumbi. König Ganga Zumba erkannte seine schwindende Macht gegen Zumbi, dem die Mehrheit der Krieger folgten. Er versammelte das ganze Volk von Palmares und machte Zumbi zum neuen König.
Zu Beginn der 90er Jahre des 17. Jahrhunderts nahm die Spannung zwischen der Kolonialmacht und den Palmarinos nochmals zu. Eine Hungersnot aufgrund einer Dürreperiode zermürbte den Nordosten. Ein Krieg stand kurz bevor. Im Januar 1694 holte Domingos Jorge Velho zum entscheidenden Schlag gegen die Quilombos auf.
Ein gewaltiges Gemetzel vernichtete Palmares innerhalb kürzester Zeit. Nur wenige Frauen und Kinder überlebten das Gemetzel. Auch Zumbi und rund 2000 Männern entkamen und suchten Deckung in der Serra da Barriga.
Eine Vertrauter Zumbis, der in portugiesische Gefangenschaft geriet, verriet ihr Versteck. Am 20. November 1695 wurde Zumbi in einen Hinterhalt gelockt und getötet. In Recife, wo zur Feier Feste und Messen zelebriert wurden, wurde sein Kopf aufgespießt zur Schau gestellt.
Seit 1979 wird dem Todestag Zumbis als Tag des „Schwarzen Bewußtseins“ (Dia da Consciência Negra) gedacht. Damit protestierte zuerst die Vereinigten Schwarzenbewegungen (MNU) gegen den offiziellen Feiertag der Abschaffung der Sklaverei am 13. Mai. Die Verfassung von 1988 garantiert den Quilombolas die Anerkennung ihrer Landansprüche.
Die Existenz der Capoeira kann bis ins 18. Jahrhundert verfolgt werden. Sie entstand wahrscheinlich durch eine Vermischung verschiedenster afrikanischer Tänze und Kulte. Auch in anderen Regionen, in welche afrikanische Sklaven verschleppt wurden, entstanden dem Capoeira vergleibare Kampfkünste, wie z.B. dem „Maní“ auf Kuba.
Aus der ursprünglichen Unterhaltungsform, entwickelte sich bald eine Technik der Selbstverteidigung, die sog. Capoeira de Angola. Capoeira ist der Name von Landschaften mit niedrigem Buschwerk. Diese Büsche dienten den Sklaven als Sichtschutz. Denn die Ausübung ihres Kampfes war verboten und führte bei Ausübung strikt nach der Gesetzgebung von 1890 zwischen 2 und 6 Monaten ins Gefängnis. Sogar die Kavallerie wurden eingesetzt, um Capoeiristas zu jagen. Näherte sie sich, erklang der toque cavalaria (der "Kavallerie -Takt") und ermöglichte die rechtzeitige Flucht ins Buschwerk ("Capoeira").
Es wird berichtet die Capoeira hätte sich besonders in den Quilombos bei den Kämpfen zwischen Sklaven und Sklavenhaltern. Die herkommliche Form der Capoeira glich mehr einer Art Straßenkampftechnik, mit der sich auch Capoeiristas, die sich in den Städten in Banden, sog. Maltas organisiert hatten, bekämften. Ihre Gegner waren rivalisierende Maltas und die Herrschenden. Diese Form der Capoeira war besonders in den Hafenstädten Rio de Janeiro, Recife und Salvador da Bahia verbreitet, Keimzellen der Capoeira.
Mestre Bimba
Maßgeblich entwickelt die Capoeira Mestre Bimba (Manoel dos Reis Machado [1899-1974]) weiter:
Er beschleunigte das Tempo der Musik und des Tanzes und integrierte zahlreiche "Figuren" aus anderen Kampfsportarten. Die herkömmliche Art der Capoeira erschien ihm als nicht effizient genug. Auch befand er, dass sie in einem schlechten Licht stünde und nur mit Kriminalität und Unruhe assoziiert werde. So entstand die Capoeira Regional. Um 1920 schuf er die, von ihm so benannte, Luta Regional Baiana.
Bimba lernte die Capoeira im Alter von 12 Jahren von einem Afrikaner namens Bentinho. Am 9. Juli 1937 eröffnete er die erste, offiziell anerkannte Capoeiraschule in der Rua das Laranjeiras 1.
Bald hatte er einen große Gruppe von Schülern um sich versammelt, die bei ihm lernen wollten. Dazu gehörte neben der Capoeira aber auch die Ausübung einer regelmäßigen Tätigkeit oder ein Studium. Dies sollte zur Aufwertung der Capoeira in der Bevölkerung und der Sicherung des Lebensunterhaltes beitragen.
Eine nationale Anerkennung erreichte die Capoeira 1953, als der ehemalige Diktator (1937-45) und 1950 demokratisch wieder gewählte Präsident Getúlio Vargas den Capoeira - Meister Bimba persönlich empfing und die Capoeira als “einzig wahren brasilianischen Sport” lobte.
Nachdem Mestre Bimba mehr als 50 Jahre in Salvador unterrichtet hatte, war er müde und verbittert aufgrund der fehlenden Anerkennung, die der Staat seiner Capoeira als Kunstform schenkte.
Auf Einladung eines seiner Schüler, Oswaldo de Souza, zog er 1970 in die Hauptstadt des Bundesstaates Goias. Die Warnungen vieler konnten ihn nicht davon abbringen, dem Versprechen auf ein besseres Leben zu folgen.
Doch Bimbas Träume gingen nicht in Erfüllung. Er starb am 4. Februar 1974 in großer Armut und in weit entfernd von seinen Schüler.
In zahlreichen Liedern wird sein Tod auch heute noch beklagt:
No dia que o berimbau chorou Der Tag, an dem die Berimbau weinte
No dia que a capoeira sofreu Der Tag, an dem die Capoeira litt
Foi quando falaram que Bimba War, als sie erfuhren, daß Bimba,
Mestre da Bahia, morreu Mestre aus Bahia, gestorben war
Es waren dann seine Schüler, die seine Methoden weiterentwickelten und die moderne Capoeira schufen, so wie sie heutzutage in den meisten Schulen weltweit gelehrt wird.
Heute stellt die Capoeira in Brasilien für viele Jugendliche der Armenviertel und die Straßenkinder der Großstädte ein "Familienersatz" dar und wird von staatlicher Seite zur Re-Integration auffälliger Jugendlicher benutzt und insbesondere in sozialen Projekten mit Straßenkindern praktiziert.
Inzwischen ist Capoeira ein weltweites Phänomen. Es gibt verschiedene Schulen, die sich stark in Trainingsmethoden und Stil unterscheiden. Vorallem unterscheidet man zwischen Capoeira Angola- und Regional. Capoeira Regional beruht auf den Lehren Mestre Bimbas, Capoeira Angola vorallem auf die Mestre Pastinhas (Vincente Ferreira Pastinha, 1889 – 1982) und stellt traditionellere Bewegungen in den Vordergrund.
Daneben setzt sich neuerdings aber auch noch ein dritter Weg durch, Capoeira Contemporânea, ein Sammelbegriff für viele verschiedene Stile und Richtungen der zeitgenössischen Capoeira.
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